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Aus News-Medical.Net, 10. Januar 2006Asbest: Eiserner Griff mit ZeitverzögerungEs passiert jeden Tag irgendwo in Europa: ein Gebäude aus den 50er Jahren wird abgerissen. Ein paar Kinder sehen auf ihrem Rückweg aus der Schule einen riesigen Bulldozer bei der Arbeit. Die Maschine hat bereits das Erdgeschoss erfasst - und offensichtlich hat keiner die Asbestbeläge bemerkt? Für einen kurzen Moment wirbeln riesige Mengen Asbestfasern durch die Luft. Die Fasern sind sehr schmal und leicht einzuatmen. Ihre Beständigkeit gegenüber chemischer Auflösung bedeutet, dass sie für eine lange Zeit fortbestehen - vielleicht irgendwann auf unbestimmte Zeit in der Lunge. Schädliche Auswirkungen treten erst Jahrzehnte später auf. "Allgmein ausgedrückt kann Asbest beim Menschen zwei Arten von Schäden verursachen: Asbestose, eine fibröse Verdickung entweder innerhalb der alveolären Lungenstruktur oder in der Lungenauskleidung, und Krebs der Lunge und des Kehlkopfs, einschließlich Mesotheliome, die bösartigsten aller berufsbedingten Tumore", erklärt Jukka Takala. Obwohl die Anwendung und Herstellung von Asbest in den 15 alten Mitgliedstaaten der Europäischen Union verboten ist und die neuen Mitgliedstaaten wohl bald mit einem Verbot folgen werden, erklärt der "eiserne Griff mit Zeitverzögerung", warum das Thema der Asbest-Kontamination in vielen Industriestaaten immer noch an oberster Stelle der politischen Agenda steht. Im Oktober 2005 wurde in einem Bericht des französischen Senats die Regierung beschuldigt, nicht angemessen auf das Problem der Asbest-Kontamination im Lande reagiert zu haben, wodurch die asbestbedingten Krebstodesfälle zugenommen hätten. "Während zwischen 1965 und 1995 35.000 Todesfälle auf Asbest zurückgeführt werden konnten, werden in den nächsten 20 bis 25 Jahren werden weitere 100.000 Todesfälle erwartet", heißt es in dem Bericht. Aufgrund der langen Latenzzeit, die typisch ist für asbestbedingten Lungenkrebs, sehen französische Wissenschaftler die kommende Epidemie als unvermeitlich und irreversibel an und erwarten, dass sie bis ins Jahr 2030 fortbestehen wird. "Asbest ist einer der häufigsten Faktoren, wenn nicht der wichtigste alleinige Faktor, der für die berufsbedingten Todesfälle verantwortlich ist, und wird in steigendem Maße als die wichtigste Herausforderung der Gesundheitspolitik weltweit angesehen", kommentiert Jukka Takala. Unter Berücksichtigung der Studien der ILO gab das japanische Umweltministerium kürzlich eine erste offizielle Schätzung der Anzahl der durch Asbest verursachten Todesfälle bekannt. Laut Ministeriumsbeamten könnte in Japan die Anzahl Todesfälle aufgrund von Mesotheliomen oder anderen Lungenkrankheiten bis zum Jahre 2010 die Zahl 15.600 erreichen. Das Ministerium wird diese Zahl verwenden für ein geplantes, spezielles Maßnahmegesetz zur Abdeckung der medizinischen Kosten bei denjenigen, die an asbestbedingten Krankheiten leiden, und für die finanzielle Entschädigung von Familienmitgliedern von Asbestopfern. Was andere Länder betrifft schätzt die ILO, dass in den Vereinigten Staaten jedes Jahr mehr als 21.000 Menschen an asbestbedingtem Lungenkrebs und Mesotheliomen sterben, in der russischen Föderation mehr als 10.000 Menschen und in China mehr als 110.000 Menschen. In Westeuropa, Nordamerika, Japan und Australien treten jedes Jahr schätzungsweise 20.000 neue Fälle von asbestbedingtem Lungenkrebs und 10.000 neue Fälle von Mesotheliomen auf. In Richtung eines weltweiten Asbestverbots?Durch die EU-Direktive über den Schutz von Arbeitskräften vor den Risiken im Zusammenhang mit der Asbestexposition bei der Arbeit (83/477/EEC, in der Fassung von März 2003) und der ILO-Konvention Nr.162 über die Sicherheit bei der Anwendung von Asbest, angenommen im Jahre 1986, konnte die Asbestproduktion weltweit seit den 1970 Jahren halbiert werden. "Trotzdem ist Asbest in der Arbeitswelt immer noch das Karzinogen Nummer 1," sagt Jukka Takala. "Anstatt das Problem zu lösen, wurde es nur verschoben. In den Übergangs-und Entwicklungsländern ist das Risiko jetzt sogar noch höher als in den etablierten Marktökonomien, und es ist sicher, dass sich Asbest in diesen Ländern in 20 bis 30 Jahren als ?Gesundheitszeitbombe' herausstellen wird". In den Entwicklungsländern ist die Anwendung von Asbest in den letzten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhundert gestiegen, während die Vereinigten Staaten und andere Industrieländer die Anwendung der Substanz schrittweise einstellten. Jukka Takala verweist auf die Abwrackindustrie in Asien als besonders markantes Beispiel. " Ein Schiff, das in Bandladesh oder sonstwo abgewrackt wird, enthält im Durchschnitt sechs Tonnen Asbest. Fast alles auf so einem Schiff wird recykelt, einschließlich des Asbests. Es schadet nicht, sichere Produkte zu recykeln, aber Asbest ohne Schutzgeräte von den Schiffen auszusondern und wieder zu verpacken ist inakzeptabel," sagt er. Die ILO bietet auf Basis ihrer internationalen Standards (Konventionen, Empfehlungen, Durchführungsvorschriften) verschiedene Lösungen zum Asbestproblem an. Die ILO-Konventionsnummern 139, 148, 162 und 170 über berufsbedingten Krebs, Arbeitsumgebung, Sicherheit bei der Anwendung von Asbest und Sicherheit bei der Anwendung von Chemikalien erhielten 116 Ratifikationen von den ILO-Mitgliedstaaten. Diese Konventionen bieten eine solide legale und technische Basis für den Schutz von Arbeitern gegen schädliche Asbestexposition durch Verordnung von umfangreichen Präventivmaßnahmen auf nationalem und Unternehmens-Niveau. Andere Handlungswege, wie z.B. Austausch von Wissen und Erfahrung, Informationsverbreitung, direkte technische Hilfe und technische Kooperationen werden von ILO umfangreich genutzt, um präventive Anstrengungen gegen asbestbedingte Krankheiten zu intensivieren. "Wir sind immer noch weit entfernt von einem weltweiten Verbot der Asbestanwendung und -Herstellung. 27 Länder haben die ILO-Konvention Nummer 162 über die Sicherheit der Anwendung von Asbest ratifiziert," sagt Jukka Takala, wobei er hinzufügt, dass unter den 25 Ländern, in denen ein Asbestverbot besteht, die EU-15-Länder Argentinien, Australien, Chile, Kroatien, Ungarn, Norwegen, Polen, Saudi-Arabien, Slovenien und die Schweiz gehören. "Die Risiken woandershin zu verschieben passt nicht mit dem Ziel einer
gerechten Globalisierung zusammen, die Möglichkeiten für jeden bietet.
Es ist eine große aber wichtige Herausforderung, das Asbestverbot auf
alle Länder auf der Welt auszuweiten. Dafür muss die internationale
Welt Wissen und Hilfe zur Verfügung stellen, damit sie mit den notwendigen
Restrukturierungsmaßnahmen zurechtkommen, sie muss bei der Schaffung
alternativer Arbeitsstellen helfen und die Anwendung von Asbestersatz
rund um die Welt fördern," folgert Jukka Takala.
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Der Inhalt dieser Website dient nur Informationszwecken und sollte nicht als medizinischer Rat angesehen werden. Ein Termin mit Ihrem Arzt wird immer empfohlen.
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